Dear Friends

DF 9 - Jugoslawien

April 1999

Liebe Freunde,

Als ich ein Kind war, dachte ich dass der Westen Monopoly spielte, während der Osten Schach spielte.

Gerade kürzlich, im Gästebuch, wurde ich wegen Jugoslawien gefragt. Ich beobachte wie sich die Schrecken auf dem Fernsehapparat in meinen Hotelräumen hier in Südamerika offenlegen, und ich muss antworten. Wie auch immer, ich denke es ist wichtig meine Position zu erklären, bevor ich weitermache, denn es ist eine Position die ich manchmal verteidigen werde müssen, und ich werde einige schwierige Themen behandeln; also habt bitte Geduld mit mir während ich mein Denken kurz darstelle. Dies ist nicht einfach.

Ich habe generell eine frivole Betrachtungsweise des Lebens. Ich bin respektlos gegenüber dem Establishment weil es keinen Respekt gegenüber dem Bedürfnis nach Veränderung zeigt, und die Zügel der Macht werden von den geballten Fäusten von ein paar Privilegierten gehalten. Ich verspotte die Radikalen weil sie so wütend sind dass sie oft die Dinge noch schlimmer machen; und sie nehmen es als zu überzeugend an dass Veränderung einiges an Verbesserung beinhalten sollte. Sie wollen immer das Kind mit dem Bade ausschütten.

Ich habe kein politisches Zugehörigkeitsgefühl, noch irgendwelchen konventionellen religiösen Glauben. Ich verstehe Gefühle von Verwandtschaft und das Bedürfnis zu etwas zu gehören. Ich habe eine gerechte Version über Globalisierung und die Probleme unserer Rasse. Dies vermutlich deshalb weil mir meine Kindheit und mein Job einen Standpunkt zum Leben gegeben haben. Es gibt mir nicht Recht, aber es gibt mir mehr Objektivität als ich sie vielleicht sonst gehabt hätte. Ich habe keine Angst davor meine Meinung zu ändern, wenn nötig täglich, und meine Haltung zu einem sich entwickelnden Thema anzupassen. Meine Werte ändern sich viel langsamer, und meine Prinzipien kaum jemals.

Jugoslawien

Ich habe mich durch die historischen Differenzen gearbeitet, die politischen Vorurteile, eigennützige Entrüstung und im Widerstreit befindlichen Ideologien. Ich habe den Blutenden-Herzen-Pazifisten zugehört und den Gung-Ho-Generälen. Ich habe die Propaganda aufgenommen und sie als das gesehen was sie ist; die ungeschickten Bemühungen der Neuen und das subtilere Spinnen der alten Hände. Ich bildete die Meinung dass Handlung der Untätigkeit vorzuziehen sei. Wie auch immer, die Handlung der NATO ist falsch. Moralisch und in ihrer Wirksamkeit.

Mit moralisch meine ich dass die Mitgliedsstaaten das Gesetz gebrochen haben, ohne Bedeutung wie gut die Absichten waren, oder als wie notwendig es erachtet wurde. Dies ist kein Schreiwettkampf. Ihr habt angefangen! Nein, haben wir nicht, ihr seid es gewesen! Es ist alles eure Schuld! Nein, ist es nicht, es ist eure Schuld! Ein neu ausgepackter Artikel der Genfer Konvention von 1940 wird von der NATO als die rechtliche Grundlage für den Bombenangriff zitiert. Tatsache ist dass die Vereinten Nationen umgangen wurden; und zahnlos wie sie auch erscheinen mag, muss die UNO die höchste Autorität bleiben. Die NATO kann nicht auslesen und auswählen; OK für den Irak (UNO-Resolutionen wurden damals zitiert bis uns allen schwindlig wurde), aber nicht für Serbien. Tut mir leid, das zieht nicht. Das Denken ist selbstbefriedigend und gefährlich arrogant. Auch ist die Inkompetenz und der Mangel an Wahrnehmung bei diesem Grad der Gewalt wahrhaft Angst einflößend.

Mit in ihrer Wirksamkeit meine ich dass der Bombenangriff die Situation nur angeheizt hat. Er mag Serbien militärisch schwächen, aber er wird es nicht beenden. Die NATO wird schlussendlich an jeder Front verlieren. Nicht nur wird sie die Balkanstaaten verliert. Sie wird Ansehen verlieren. Sie wird Unterstützung von innen verlieren, und vielleicht noch wichtiger, sie hat bereits ihren wichtigen Status als Verteidigungsorganisation verloren. Die NATO ist jetzt der Angreifer, ob sie es gerne hat oder nicht. Die NATO (sic) hat einen großen Fehler gemacht. Große Polizisten. Lockere Waffen. Imperialisten. Dies ist die Art von Sprache die man erwarten kann zu hören. Verschiedene Kulturen, fort vom Atlantischen Ufer, werden ihr nicht mehr trauen. Es wird nicht mehr lange dauern, falls ein globaler Krieg abgewendet wird, dass andere schwache Territorien brutal durch Selbstsichere Große Jungs Mit Gewehren in Form gebracht werden; jetzt da die UNO ohnmächtig ist, und jetzt da die NATO ihren verletzten Stolz leckt und es nicht wagt, sich einzumischen; nach diesem Fiasko. Und wenn der globale Krieg nicht abgewendet werden kann, wird man von mir erwarten für die NATO zu kämpfen (oder zumindest sie zu unterstützen), und das werde ich sehr schwierig finden, wirklich sehr schwierig.

Ich nehme nicht an dass die NATO-Anführer erwartet haben dass die Dinge so schlecht ausgehen. Nicht mehr als die Tierschutzaktivisten in England nur die besten Absichten hatten als sie den nicht-einheimischen Nerz auf dem Land freiließen. Radikale Taktiken x schlechte Planung = mehr Schaden als Gutes.

Da würden nun drei Möglichkeiten auftauchen. 1) (meine Wahl) Stoppt die Bombenangriffe sofort und tretet die Autorität an die UNO ab. Zeigt dieses Mal mehr Respekt für diese Organisation und alle ihre Mitglieder. Ersetzt Aggression mit Mitgefühl und setzt die hilflosen Unschuldigen auf allen Seiten als Priorität. 2) Startet einen Totalangriff auf Belgrad, und überlegt euch dann was zu tun ist, ohne ausreichende Bodentruppen, dem halben Rest der Welt der seine Flugkörper wieder bewaffnet und einer gigantischen Flüchtlingsstation. Nicht zu vergessen (und das ist direkt zurechenbar; sogar Zeljco Raznatovich alias Arkan kann es nicht glauben) eine geeinte Serbische Streitmacht, die die NATO lebendig verspeisen wird. Genau so wie ich und meine Freunde es würden, wenn man so einen Trick in so einer eigenmächtigen Art in meinem Land versuchen würde; und ich bin ein friedlicher Mann. Aber das ist die Auswirkung von Aggression. Leute mit großen Differenzen werden angesichts einer gemeinsamen Bedrohung und im Namen des Überlebens zusammengeführt. Dies ist ein Problem dessen Ursprünge in den Nebeln der Zeit verloren sind. Die NATO müsste natürlich die Verantwortung übernehmen, dass sie die Lage jetzt zu einer weltweiten Sauerei gemacht hätten. Die dritte Alternative ist, nehme ich an, ein Krieg der Abnutzung? Gott schütze uns.

Ich werde für einen Moment abschweifen.

Ich wuchs nicht unter den Abwässern des ‚Gelben Flusses' auf, als der er beschönigend in Beirut bekannt war. Aber ich erinnere mich tatsächlich an die Palästinensischen Flüchtlinge die in diesem Höllenloch lebten, als ich '66/'67 dort war. Was auch immer dort vorher war, niemand kann der Tatsache entrinnen dass dort Kinder ihre Leben begannen. Die einzige Quelle für Trinkwasser war ‚oben' aus den Berieselungsanlagen auf dem ‚Amerikanischen Highway', wie das Schild auf der Brücke zu den Unglücklichen drunten schrie. Gebaut, so möchte ich anfügen, mit Amerikanischem Geld als Antwort auf das Privileg von Dockanlagen für die US-Flotte im Mittelmeer, aber das werdet ihr in keinem Geschichtsbuch finden. Das Wasser war, wie auch immer, unerreichbar für die die in der Scheiße drunten lebten. Es war strikte reserviert für die Ziergebüsche die die Straße vom Goldmarkt in der Stadt bis zum ‚Casino du Liban' ungefähr dreißig Klicks südlich säumten. Ich kann euch nicht sagen wie abscheulich es war, es reicht zu sagen dass ich Mitgefühl mit den Flüchtlingen empfand, die ihre Würde und ihr Ziel auf das Bekaa Tal richteten.

Die meisten Amerikaner die ich getroffen habe sind fantastische, energiegeladene, schöpferische, begeisterungsfähige Leute. Alle von ihnen sind entsetzt wenn sie diese Geschichte hören, und zum ersten Mal ist da ein Schimmer von Verstehen wenn sie sehen wie ihre Flagge verbrannt wird. Es ist nicht ihre Schuld, natürlich nicht. Den Amerikanern wird nichts über den Rest der Welt beigebracht. Aber es ist auch nicht die Schuld der Palästinenser, noch die der Israelis, von ihren engen Blickwinkeln aus. Es ist nur, was aus den Dingen geworden ist. Dennoch müssen wir verstehen dass Regierungen von allen Beschaffenheiten manchmal unerfreuliche Dinge tun müssen. Nicht alle von ihnen aus den Gründen die sie angeben. Dies ist es, weshalb unsere verdammten Demokratien, hart errungen und noch immer auf viele Arten fehlerhaft, die beste Möglichkeit sind die wir für die Zukunft haben. Aus dem einfachen Grund, dass die Anführer entfernt werden können wenn sie sich schlecht benehmen; mit keiner besonderen Anspielung auf den Mann der seine Kanone nicht im Halfter lassen kann. Ein Einparteiensystem, egal welcher Art, bietet diese Wahl nicht. Deshalb muss die Organisation der Vereinten Nationen unterstützt werden. Vorher geschlossene Gesellschaften sehen die Vorteile von Marktwirtschaft und kulturellem Austausch; wer weiß was nachfolgt. Wenn die Leute beginnen frei zu handeln erwerben sie oft Zuversicht, auf jeden Fall werden unterschiedliche Kulturen sich verbinden durch den einfachen Austausch von Ideen, so sind die Menschen. Wenn man einmal die Angst entfernt hat, und die Lust an Macht und die Ignoranz, dann ist es erstaunlich wie Leute miteinander auskommen.

Ich bin eine glückliche Person. Ich hatte die Möglichkeit, als Erwachsener die Welt für beinahe vierzig Jahre zu bereisen. Musik, so habe ich viele Male gesagt, überwindet Politik, Religion, Sprache und Kultur. Ich liebe Schotten, Iren und die Waliser. Ich liebe Deutsche und Franzosen, Skandinavier und Spanier. Chilenen, Bolivianer, Argentinier, Brasilianer. Australier und Neuseeländer. Bewohner der Färöer Inseln. Russen, Georgier, Armenier. Japaner, Afrikaner, Zigeuner, Juden, Araber und andere. Natürlich liebe ich die Engländer, und natürlich liebe ich die verzweifelten Kosovo-Flüchtlinge, und natürlich liebe ich die Serben. Unsere Anführer fallen, natürlich, in eine ziemlich andere Kategorie. Dies ist es, wo ich in diesen traurigen Zeiten stehe.

Was für ein Schritt wäre es für uns alle, wenn Nelson Mandela die Stelle als Generalsekretär der Vereinten Nationen angeboten würde, und er die Stärke finden würde, sie nach seiner gegenwärtigen Amtszeit anzunehmen. Das Hauptquartier dieses Amtsträgers müsste sofort für einen Zeitraum von zehn Jahren nach Pretoria verlegt werden. Träum weiter Cervantes.

Wir haben Unstimmigkeiten. Es lebe der Unterschied, wie wir in Europa sagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ian Gillan

Copyright © Ian Gillan 1999

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