Dear Friends

DF 16 - Über Sibirien

4. April 2000

Liebe Freunde,

Zurück auf der Straße, oder in der Luft, sogar wenn es nur für ein paar Termine ist. Japan und Korea bis jetzt, wie gut ist es doch in dieser Band zu sein und im Kugel-Zug (Shinkansen = Japanischer Hochgeschwindigkeitszug Anm. d. Ü.) von Tokio nach Nagoya zu fahren und jetzt in den Himmeln über dem wilden Gebiet der Nördlichen Mongolei zu sein.

Der Shinkansen ist jetzt so beeindruckend wie er es vor dreißig Jahren war. Man kauft eine Fahrkarte und steht auf dem Bahnsteig, der großzügig ausgestattet ist mit Buden die mit Leckereien für die Fahrt beladen sind. Der Zug hält überaus klug an der richtigen Stelle an damit man durch die Türe, die am nächsten zum Sitzplatz ist, gehen kann.

Frage an irgendeiner englischen Haltestelle wo dein Sitzplatz sein wird, und sie sehen dich an als ob du ein Idiot wärst. Dies äußert sich immer in Leuten (andere als die regelmäßigen Gäste die das System durchschaut haben), die den Bahnsteig mit Gepäck und Kindern auf und ab rasen. Blind steigen sie wenn der Zug losfährt in der letzten Minute durch irgendeine Tür ein, um dann dieselben Kinder und dasselbe Zeug in eine beliebige Richtung zu schleppen, vorbei an kichernden, würdigen oder ambivalenten Pendlern, bis die Sitze gefunden sind, nur um zu sehen dass die schon besetzt sind, und ein Zeitraum des Stehens folgt. Natürlich gilt dies nicht für die allergelegentlichsten Reisenden, da es wohlbekannt ist dass es unmöglich ist, in irgendeinem Zug in England für eine landesweite Reise einen Sitzplatz im Voraus zu buchen oder zu reservieren.

Der Zug kommt früh in der Haltestelle Tokio an und ein Team von uniformierten Reinigungskräften fegt wirkungsvoll durch die Waggons. Wir bleiben zurück mit einem makellosen, frisch duftenden Beförderungmittel, das einen Inch (2,5 cm) vom Bahnsteig entfernt hält und, wunderbarerweise, auf der gleichen Höhe. So kann man ein und aus rollen ohne den gefürchteten (Englischen) Zwischenraum zu bewältigen, oder die große Stufe hinauf und hinunter; entworfen zum Nutzen der Großmütter und Eltern/Einkäufer mit Armen voller Kinder/Tüten. Wie machen die das?

Oh Mann, es ist kalt draußen, minus 65 Grad Celsius (-85 Fahrenheit). Wir sind über Irkutsk im Norden der Tibetischen Hochebene, willst du tanzen? Ich schaue auf den Videoschirm, die Anfangsszene von ‚Die Welt ist nicht genug' erhält anerkennendes Nicken von überall im Passagierraum. Es erinnert mich an meine Ferien '69 auf der Themse mit Paicey und Blackmore; Ian und ich waren in einem alten Wrack unterwegs, genannt der ‚Fröhliche Spaßvogel'. Guter Titel für ein Lied? Vielleicht nicht.

Es ist schwer heutzutage irgendwelchen Kopfsalat im Salat zu finden. Mengen von fröhlich aussehendem, schlecht schmeckendem Unkraut mit beißendem Geschmack, kaum maskiert mit Salatsauce und dem Bedürfnis modisch zu sein. ‚Nettes Futter' bemerkte ich zu der fröhlichen Dame von Lufthansa. ‚Hmmm', antwortete sie, zweifelnd.

In der Zwischenzeit wurde Microsoft (sic) wegen ‚Missbrauchs von Macht' angeklagt und auch verurteilt. Ich frage mich wohin das alles führen wird. Könnte es sein (gebt mir einen Klaps auf den Hintern und nennt mich einen Ketzer) dass sich unsere ehemaligen Anführer ein Ziel setzen für eine Umkehr der kürzlichen Verlagerung von Macht weg von ihren schmutzigen Regierungsfingern zurück zu dem fettärschigen Sitz des Establishments (rhet). Ich bin mir einiger intensiver Gefühle in der Welt der IT bewusst, für und gegen Bill Gates, aber bis jetzt schien es nicht mehr als ein ManU gegen Liverpool Ding zu sein; mit einem allgemeinen Gefühl dass da auf jeden Fall Raum für jeden da war um Wettbewerb zu treiben, ziemlich einfach durch den Prozess der Erweiterung.

Wie sehen gerade jetzt einen Goldrausch, und zu einem großen Anteil sind die Goldgräber jung und machen ihre eigenen Regeln während sie weitermachen. Altes Geld, Politik und das Establishment wurden, erfrischender Weise, stehen gelassen und sind verspätet aufgewacht zur Erkenntnis dass sie nicht mehr länger die Kontrolle haben. Dies hatte das übliche reaktionäre Verhalten zur Folge und es wird nicht lange dauern, nein mein Herr, bevor wir alle fein säuberlich zurück in der Linie sind. Die Pioniere werden hinausgedrängt und die Anzüge werden herein kommen. Fortschritt wird natürlich aufhören, im Namen von Gesetz und Ordnung.

Ich erinnere mich dass ein Kerl einmal gesagt hat ‚Gesetze sind dazu da gebrochen zu werden'. Nun, das ist patentierter Mist, sowohl wörtlich (sie waren es nicht) als auch philosophisch (Anarchie), wie auch immer, da gibt es einen Haufen von wirklich dummen Gesetzen die nur den Gesetzgebern dienen; Gesetze die uns körperlich, geistig und intellektuell binden. 'S war immer so…

In einigen Afrikanischen Ländern gab es Dörfer voll mit Hexen; Frauen die aus ihren Gemeinschaften ausgestoßen wurden. Eine Verdächtige wird gefragt "Wird das Huhn auf die Seite fallen wenn es getötet wird?" Die arme Frau sieht keine Möglichkeit wie das Huhn lange stehenbleiben kann, nachdem sein Kopf abgehackt worden ist und es die obligatorischen vierzehn Runden im Hof gerannt ist. Und, da sie noch nie eines gesehen hat das freiwillig eine Rolle oder einen Schulterstand macht, nickt sie in Zustimmung. Das Huhn wird pflichtschuldig geschlachtet , vollführt den rituellen Breakdance und fällt auf die Seite. "Oooh" macht das Volk. "OK, du bist eine Hexe, schleich dich!" befiehlt das Dorfoberhaupt, und das unglückliche Mädchen muss Lebewohl zu Freunden und Verwandten sagen und den Rest seines Lebens im Exil verbringen. Zufälligerweise war das Dorfoberhaupt auch ein Schamane, aber, wie wir immer wussten, ist er ein eigennütziger Populist.

Wir hatten eine ähnliche Sache während der Inquisition in England, unehelich, äh, Schwierigkeiten, Missernten, Krankheit der Unfruchtbarkeit bei den Kühen, und so weiter und so fort. Es wurde ‚Tauch-Stuhl' genannt. (Später sollte es als Joseph Hellers ‚Catch 22' bekannt werden).

"Sie ist eine Hexe" sollten sie spitz rufen wenn irgendetwas von der vorerwähnten Art geschah. "Bringt sie zum Tauch-Stuhl" bestimmt der weise Magistrat, "im Namen der Gerechtigkeit müssen wir ihr ein gerechtes Verfahren gewähren". Der Tauch-Stuhl war, ich bin sicher ihr wisst es alle, wie eine Wippe. Ein Ende, auf dem die Angeklagte Platz nehmen musste, hing über den Fluss. Mit ein paar stämmigen Christen als Gegengewicht wurde die Frau auf ein gegebenes Zeichen hin in das Wasser gesenkt und für eine Stunde oder so (da sie festgebunden war hatte sie keine Wahl) unten gehalten. Wenn sie starb war es offensichtlich dass sie keine magischen Kräfte hatte und wurde demzufolge für unschuldig erklärt, freigesprochen und sofort freigelassen. Wenn sie überlebte war das Gegenteil wahr und sie steinigten sie zu Tode für das Verbrechen eine Hexe zu sein. Natürlich war das vor langer Zeit als Gerüchte eine Lebensform waren.

Ein Wort des Ratschlages, achtet darauf keine Reisevorbereitungen für DP Shows zu treffen bevor die Tickets tatsächlich zum Verkauf stehen. Ich hörte von einem traurigen Fall als ein Fan Fahrkarten gekauft hat um zu einem nicht existierenden Konzert zu fahren. "Keine Rückerstattung" war die laute Antwort. Oh ja, noch eine weitere Sache, ich hörte ein Gerücht dass wir (DP) und auflösen nach dem Sommer. Wer auch immer das in die Welt gesetzt hat braucht eine Weile auf dem Tauch-Stuhl.
Bihitteeeeee.

Ich muss gehen, habe eine Erkältung einzufangen.

Friede & Liebe,

Ian Gillan

Copyright © Ian Gillan 2000

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