Dear Friends

DF1 – Sausenderweise (Oktober 96)

8.Oktober 1996

Liebe Freunde,

na gut, das ist das Ende des europaeischen (Tour-)Abschnitts, und alles ist gut was mit Deep Purple gut endet. Es war klasse, so viele bekannte Gesichter zu erkennen; und ich hoffe, dass Ihr alle die Shows genossen habt. Die Stimmung in der Band ist freundlich und entspannt und ich denke, dass sich dieses in den Auftritten widergespiegelt hat. Steve Morse ist jetzt wirklich ein Teil der Familie und es fuehlt sich gut an, wieder herausgefordert zu werden. Manchmal wird es ziemlich gefaehrlich, wenn diese brillianten Musiker das Limit weiter hinausschieben, wie es mit jedem weiterem Auftritt scheint.

Wir sind mit dem Bus gefahren ;und eingesponnen in unserer eigenen surrealen Welt sausen wir ueber die endlosen Autobahnen in einem so schweren Gefaehrt, dass es von seiner eigenen Schwungkraft besessen ist. Da ist kein Cruisen, keine Komfortzone zwischen Beschleunigung und dem genauso erschreckenden Gegenteil.Wir fliegen einfach durch die Luft.Wir scheppern auch, rempeln und schlingern. Manchmal reduzieren wir die Federung um ein oder zwei Zoll, so dass wir eine niedrige Bruecke bewaeltigen koennen. Es ist natuerlich wichtig, die 'niedrige Bruecke'- Schilder frueh genug zu sehen, um mit dem Sausen aufzuhoeren. Sonst wuerden wir im Freien sausen, was uns dem Gefuehl der Sicherheit entziehen wuerde, welches so wichtig ist fuer die Stimmung des modernen Sausens.

Es gibt auch einen groesseren Grad an Reibung als normalerweise mit dem Sausen durch, nehmen wir mal an, das All verbunden ist. Erdanziehung hat nur mit einem Teil davon zu tun, da 'unser' Sausen mehr eine knirschende, knarrende, nicht-geschmierte Lawine von Granitplatten entlang von glattem und ebenem Strassenbelag ist. Sausen ueber die alten ostdeutschen Strassen; ger-dunk, ger-dunk, ger-dunk, ger-dunk, oder enge Platanenalleen hinunter, verlangt Einsatz mit offenen Augen und nervenaufreibende Entschlossenheit.

Fuer eine Meile oder zwei kann man wahrnehmen, dass niemand atmet. Sogar die Kuehe und die Schafe pausieren in ihrem Widerkaeuen, sehen sich an und mit De Niro- aehnlicher, langsam nickender Anerkennung geben sie kund:” Wow, das war ein ganz schoenes Sausen”, bevor sie zurueck zu ihrem Ernaehrer gehen.

Es gibt wahrscheinlich irgendein Gesetz der Wissenschaft, das beschreibt wie alles, was sich in einer Masse von etwas Durch-die-Luft-fliegendem befindet, im gleichen Verhaeltnis fliegen wird wie das zentrale Sausen. Aber nicht in unserem Bus, oh nein, mit seinen Kojen und Sitzecken, Bordkueche und Toilette, Tischen und Fernsehern, Kuehlschraenken und Kisten und Musikern und einem Schlagzeuger und einem Saenger, einem Steuerberater und einem Tourmanager und Toepfen und Wasserkochern und Flaschen und Dosen und Brillen.......usw.; alle sausen sie durch die Luft, in geringfuegig unterschiedlichem Grad abhaengig von ihrem Erholungsgrad von ihrem letzten spastischen Taumeln.

Alle bis auf Ronnie, heisst das. Der Fahrer unseres Giganten, ruhig im Auge des Sausens. Ronnie kennt viele gute Geschichten ueber die Bands, die er durch ganz Europa gesaust hat. Entschuldigend fuer die Croissantstuecke auf dem Boden(ich habe mein Gesicht immer wieder verfehlt, als wir aus Lille herausrasten) sagte er “Keine Ursache Junge, ich hab 'nen Sauger (das ist ein Staubsauger – er kommt aus Leeds), ...Anmerkung der Uebersetzerin: Ronnie spricht Leeds- Dialekt,nicht genau zu uebersetzen, stellt Euch einen netten deutschen Dialekt vor..... ihr Jungs seid in Ordnung aber ich akzeptiere keine Buchung von Bands, die Busse zerstoeren, und wenn sie das tun wuerden, wuerde ich ohne sie weiterfahren (?). Nein, Vandalismus liegt mir nicht Nahe, aber als Fluchtmechanismus hat es seinen Reiz.

Synchronisiertes durch-die -Luft-fliegen in Ronnies Bus waere eine Herausfoderung von solch himalayanischen Proportionen, dass es sicher als olympisches Ereignis qualifizieren wuerde. Ich kann es mir vorstellen, stolzer Ronnie auf dem Siegertreppchen (Sydney 2000), Goldmedaille um den Hals, Traenen in den Augen .....Anm. der Uebersetzerin: bitte stellt Euch wieder einen schoenen Dialekt vor....... “Ich haette es nicht ohne sie tun koennen, der beste Haufen von Sausern, die es mir eine Ehre war, zu synchronisieren, vielen Dank.” “Komm schon Ronnie, gib uns ein bisschen Herumsausen”, ruft jemand. (Ich schreibe den Rest in einfachem Englisch, Ihr muesst Euch den Dialekt vorstellen)... “Lach nicht, Junge, es ist nicht wirklich ein Sport, es ist eigentlich Kunst. Ich wurde gebeten, fuer die Tate (= 'die' Galerie in London) zu Sausen, weisst du, wenn dieser Hockney (= David Hockney, engl. Kuenstler) fertig ist. Das wuerde ich nicht Kunst nennen, nicht wirklich, ich meine es ist doch nicht in derselben Liga wie Sausen, oder?”

Ein schmerzstillendes Elixier und einen Whisky zum Nachtrinken?

Alles inbegriffen war es grossartig. Nicht viel Neues zu 'Dreamcatcher'. Ich fahre naechste Woche nach Liverpool, um den Mix mit Steve Morris fertigzustellen und dann wir die Sache von Caramba (dem Label) fuer eine Veroeffentlichung im Fruehjahr '97 geregelt. Habt ein Auge auf meine Webseite fuer anderen Krimskrams.

Nun, das ist alles fuer jetzt,

Peace and love,

Ian Gillan

Copyright © Ian Gillan 1996

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